Es ist ein historisches Ereignis: Nur noch wenige Tage, und die Schweiz und Italien werden sich noch näherkommen. Durch die offizielle Einweihung des Gotthard-Basistunnels am kommenden 1. Juni und seine Eröffnung für den fahrplanmässigen Verkehr am nächsten 11. Dezember verkürzen sich die Fahrzeiten.

Noch heute leben in der Eidgenossenschaft 580’995 Italiener. Von diesen besitzt knapp die Hälfte auch den Schweizer Pass

Mit Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels im Jahr 2020 wird die Fahrzeit von Mailand nach Zürich und umgekehrt weniger als drei Stunden betragen. Darüber hinaus dürfte es möglich sein, in beiden Richtungen pro Tag mehr als 390 Züge fahren zu lassen – 100 mehr als heute, davon 60 in Richtung Mailand und 40 in Richtung Luino/Gallarate.

Es ist eine ingenieurtechnische Spitzenleistung, die die Schweiz der Welt übergibt, und sie wird das Verhältnis beider Länder, das historisch vom gegenseitigen Vorteil geprägt ist, umso mehr beeinflussen, als sie sich auf die Beziehungen zwischen dem Norden und dem Süden des Alpenraums auswirken wird.

Eine Chance und eine Herausforderung zugleich, die es zu ergreifen beziehungsweise zu beherrschen gilt. Es ist allgemein bekannt, dass Italien und die Schweiz nicht nur durch eine gemeinsame Grenze, sondern auch durch eine gemeinsame Sprache, eine kulturelle und religiöse Wesensverwandtschaft sowie menschliche und diplomatische Beziehungen verbunden sind, die bis in die Zeit der Einheit zurückreichen.

Noch heute leben in der Eidgenossenschaft 580995 Italiener. Von diesen besitzt knapp die Hälfte auch den Schweizer Pass. Umgekehrt waren den neuesten Zahlen zufolge im Jahr 2014 51535 Schweizer Bürger in Italien ansässig.

Italien ringt mit den Vereinigten Staaten um Platz zwei hinter Deutschland unter den Handelspartnern der Eidgenossenschaft: 2015 erreichte der Warenaustausch, der sich neben der Landwirtschaft auf zahlreiche weitere Branchen wie die chemisch-pharmazeutische Industrie, den Maschinenbau und Heimtextilien erstreckt, einen Gesamtwert von fast 30 Milliarden Schweizer Franken.

Nur zum Vergleich: Der Handel zwischen der Schweiz und China bewegt sich in einer Grössenordnung von 20 Milliarden Franken.

Durch Direktinvestitionen in Höhe von 16 Milliarden CHF schuf die Schweiz als neuntwichtigster Investor mehr als 78000 Arbeitsplätze in Italien. Italien seinerseits investierte knapp 5,4 Milliarden CHF in der Schweiz und sorgte damit für die Beschäftigung von 13000 Menschen.

Besonders intensiv und damit auch Auslöser für Spannungen in der Region ist der Austausch entlang der Grenze, wo täglich fast 65000 Grenzgänger zur Arbeit in die Schweiz kommen.

Italien ist in der Eurozone führend bei Übernachtungen von Touristen von ausserhalb der EU (53 Millionen). Das Land ist das Lieblingsziel für Menschen aus Ländern, wie China, Brasilien, Japan, Südkorea, Australien, den USA und Kanada (laut Eurostat), auch wenn es nützlich ist, sich bewusst zu machen, dass die durchschnittliche Dauer ihres Aufenthalts von 4,1 auf 3,6 Tage gesunken ist.

Italien hält mit dem dritten Rang hinter Deutschland und Frankreich weiterhin einen Podiumsplatz unter den beliebtesten touristischen Auslandszielen der Schweizer.

Neben der Schönheit der Landschaft, dem milden Klima und dem reichen künstlerischen und kulturellen Erbe sind die Vielfältigkeit, Eigenheit und Vorzüglichkeit der Esskultur die charakteristischen Merkmale mit der grössten Anziehungskraft.