«Du verdammtes Schlitzauge! Spür meine Faust!»

Diese und andere ähnlich beängstigende Zurufe und Bedrohungen waren für mich ab der Primarschule Tagesroutine. Somit wurde mir schnell klar, dass ich wohl anders bin als die Schweizer und irgendwie überhaupt nicht hierhin gehörte. Es war eine schlimme Zeit.

In Korea geboren, habe ich mich oft gefragt, wieso ich in der Schweiz adoptiert wurde. Doch da ich keine Wahl hatte, bestritt ich mein vorläufiges Schicksal, schloss eine Ausbildung als Koch und Hotelier ab und lernte zu dieser Zeit meine jetzige Frau Young-Hee Kim kennen, ebenfalls gebürtige Koreanerin.

So kam es, dass mein Interesse an Asien stieg und ich nach der Hochzeit mit meiner Frau für zwölf Monate nach Asien reiste.

Die erste Etappe unserer «Hochzeitsreise» war selbstverständlich Südkorea. Seoul ist Young-Hees überwältigende Heimatstadt, die damals schon über 11 Millionen Einwohner beherbergte, fast doppelt so viel wie die ganze Schweiz.

Es war nicht immer so romantisch, wie es im Honeymoon sein sollte, sondern die harte Realität einer fremden, asiatischen Giga-Metropole.

Auf der Suche nach meinen biologischen Eltern war mein einziger Hinweis, ich sei als zweijähriger anonym in einem Waisenhaus abgegeben worden. Und somit blieb die Suche trotz einer Sendung im koreanischen Fernsehen und eines Interviews in der koreanischen Zeitung erfolglos.

Wir waren drei Monate in Korea. Es war nicht immer so romantisch, wie es im Honeymoon sein sollte, sondern die harte Realität einer fremden, asiatischen Giga-Metropole.

In dieser Zeit habe ich einiges über mein Mutterland erfahren. Interessante und schöne Ansichten, aber auch die dunklen Seiten des Landes und seiner Geschichte.

Und so folgten Reisen nach Japan, Hongkong, Philippinen, Thailand und China. Wir hatten oftmals schöne Erlebnisse, aber auch dort wieder waren wir immer mit dem echten Leben und der Kultur der lokalen Menschen konfrontiert.

In Hongkong wurde das Schweizer Management des Hotels Conrad International auf mich aufmerksam und bot mir eine Anstellung als Sous-Chef, welche ich akzeptierte.

Und somit war die Lebensetappe Schweiz für mich abgeschlossen

Was ich während unserer Asienreise sofort lernte, war Geduld. Denn es ging meistens immer alles langsamer, als man erwartete, nichts war pünktlich und alle waren spät und alles ging langsam. In Südostasien glaubte ich eine grosse Toleranz in den Menschen zu erkennen.

Wohl auch bedingt dadurch, dass die Kommunikationsproblematik dazu führte, dass die Einheimischen lieber nachgeben als zu konfrontieren. Im Fernen Osten (Korea und Japan) aber waren starke Ellenbogen und eine laute Stimme von Nutzen. Denn mit Stärke und Schnelligkeit hat man bessere Chancen, seine Ziele zu erreichen. Dies ist vermutlich auch der Grund, weshalb Korea und Japan so mächtig wurden.

Meine erste Anstellung im luxuriösen Business Hotel Conrad International war für mich alles andere als glamourös. Stattdessen durchlief ich eine zweite Lehre. Obwohl ich einige gute Stellen in der Schweiz bekleidete, liess man uns in diesem Hotel immer und immer wieder spüren, dass wir nichts wert seien.

Mit der permanenten Angst, die Karriere in Hongkong auf Eis zu legen, liessen wir uns zu unglaublich tiefen und harten Bedingungen nieder und harrten aus, bis die Zweijahresvertrags-Sklaverei endlich erfüllt war. Anschliessend arbeitete ich bei der Lufthansa Airline im Catering in Korea und studierte parallel an der Korea-Universität die koreanische Sprache und Kultur.

«Die Thai-Männer sind die grössten Freier der lokalen Prostitution»

Während der letzten 24 Jahre in Asien habe ich wahrlich viel erlebt und gelernt. Geduld, Toleranz, Akzeptanz und Diplomatie. Einfühlsamkeit in die Denk- und Lebensweise der Lokalen, von Korruption bis zur Prostitution, von Vaterrollen bis zum Lebensretter, Psychiater, strengem Lehrer, Brötchengeber und Unterhalter.

Das alles gehört dazu, wenn man verantwortungsvolle und ertragreiche Positionen in Asien hält. Ein ehemaliger Premierminister Thailands sagte: «Korruption ist kein Vergehen, es ist eine Kultur und wird gepflegt» und «Die Thai-Männer sind die grössten Freier der lokalen Prostitution».

Tatsächlich ist aber auch die Prostitution illegal und alles, was illegal ist, kriegt einen anderen Namen und wird somit stubenrein gemacht.

Wir sind zufrieden hier, wie die Dinge in Thailand laufen, und sind dankbar, dass wir hier unsere Existenz von Grund auf solide aufbauen konnten.